Ulrike Sterblich

J. P. Sartre fährt Tram

21. April 2008 · Kommentar schreiben

Tempelhof, verlassenIch verlasse den Flughafen Tempelhof über den dunklen leeren Vorplatz. Außer mir nur ein Wachmann und die riesigen Nazi-Adler und ein wahnsinns Vollmond. Als ich später am Alex in die Tram steige, sitzt dort Jean-Paul Sartre neben einer schwarz-weiß-roten Lonsdale Jacke. Es ist mir selbst unangenehm, aber ich kann nicht aufhören, Sartre anzugucken. Er kennt das sicher. 

Sartre, möchte ich ihn gerne fragen, hast du den Mond schon gesehen da draußen? Wo fährst’n du hin? Wusstest du, dass in 20 Jahren ein riesiger Komet die Erde passiert, und wenn er vorbei fliegt, ist er optisch zehnmal so groß wie der Mond? Wie werden sensible Gemüter das verkraften? Was ist nun der Unterschied zwischen Existenz und Sein? 

Aber ich frage nichts, ich glotze nur, und traue mich nicht, mit dem Handy ein Beweisfoto dafür zu machen, dass Jean-Paul Sartre bei Vollmond in der Tram durch Berlin fährt.

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